start: 19:00 hrs
end: 20:30 hrs
location: Instituto Cervantes - Alfons-Goppel-Strasse 7 - 80539 München
Vortrag
Referent: Dr. Stefan Winter, Historiker
Nach dem Ende des herkömmlichen italienischen Parteiensystems 1992 und den Erfolgen der Neofaschisten und Kommunisten bei den Kommunalwahlen 1993 bot sich mit Silvio Berlusconi ein Mann an, der als erfolgreicher Tycoon mit den Mitteln des Geschäftlichen sein Land umfassend reformieren wollte.
Sein Sprung in die Politik geschah aus Furcht vor gerichtlichen Strafverfolgungen wegen Korruption, Konkursverschleppungen und Steuerhinterziehungen. Fest überzeugt, dass die von ihm so bezeichneten „Linken“, ihm sein Imperium zerschlagen würden, formierte er mit der „Forza Italia“ ein konservatives Bündnis mit der sezessionistischen „Lega“ Bossis aus Norditalien und der von Fini geführten „Alleanza Nazionale“ als Neofaschisten.
Sein wirtschaftliches Gebaren wies kriminelle Züge auf: von der Mafia bezahlte Bauprojekte in Mailand, der Aufbau von Verlagen und Versicherungen mit undurchsichtigen Hintergründen, der von Ministerpräsident Craxi geförderte Aufbau seines TV-Senders „Mediaset“ ab 1984, mit der geduldeten Übernahme von „RAI“ zur Dominanz der Medien. Am Ende mit seiner Werbeagentur „Fininvest“ der Einbruch in die Konsumentenwelt.
Sein Aufstieg aus kleinen Verhältnissen, als Student hatte er sein Geld als Vertreter und Sänger verdient, führte zu einer weitgehenden Identifikation vieler Italiener mit seiner Person. Dazu kamen sein extrem maskulines Auftreten in den „bunga.bunga Parties“ mit bezahlten Mädchen und bizarre Verhaltensweisen auf der diplomatischen Bühne, oft theatralisch.
Seine Koalition gewann 1994, 2001 und 2008 drei Wahlen, scheiterte 1996 nur am Wahlsystem, dann äußerst knapp 2006. Die groß angekündigten Wahlversprechungen nach Steuerminderungen, Rentenerhöhungen und einer Million neuer Arbeitsplätze schufen Illusionen. Mit seinem erzwungenen Abgang 2011 konnte er nur eine Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt durchsetzen, Steuererleichterungen für Wohlhabende, Förderung von Privatschulen und eine versuchte Immunität für ihn selbst.
Gerichtsverfahren gegen ihn wurden verschleppt, Richter verhöhnt, Gegner angezeigt. Eine Neubewertung Mussolinis wie eine Reduzierung der stattlichen Mittel für die Kultur erbitterte die Opposition, ihre Vertreter aber kamen gegenüber der schillernden Ausstrahlung Berlusconis wenig zur Geltung.
Das Phänomen dieses „cavaliere“ gibt es nicht nur in Italien: Populistische Lügen als Mittel zur Macht finden sich ebenso bei Johnson, Trump, Orban, Erdogan. Der Männerkult entfaltet sich auch in der Gestalt Putins. Der Appell an die eigene nationale Identität verfängt in den Aussagen Orbans oder Erdogans.
vorgeschaltet
ab 18.00 Uhr
Mitgliederversammlung
- Berichte der Vorstandsmitglieder
- Entlastung des Vorstandes
- Aussprache (erwünscht Vorschläge)
- Neuwahl des Vorstandes