start: 19:00 hrs
end: 20:30 hrs
location: Instituto Cervantes, Alfons-Goppel-Straße 7, 80539 München
Vortrag
Referent Prof. Dr. Florian Mehltretter
Im Mittelpunkt der beiden wichtigsten Werke von Dante Alighieri (1265-1321) steht die angebliche Begegnung mit der Dame Beatrice, einmal im Diesseits (Vita Nova), einmal im Jenseits (Commedia). Aber wir können nur spekulieren, welche historische Wirklichkeit sich dahinter verbergen könnte. Umgekehrt geht Dantes Ehefrau Gemma Donati, deren geschichtliche Existenz belegt ist, nicht in Dantes große Dichtungen ein. Zwischen diesen beiden Extremen stehen die Begegnungen mit historisch belegten Frauengestalten in der Göttlichen Komödie, die aus heutiger Sicht fiktive Züge tragen und doch exemplarisch für die historische Wirklichkeit weiblicher Lebensoptionen im ausgehenden Mittelalter steht.
Diese Lebenswirklichkeit ist einerseits eine solche der Unterdrückung, was sich auch in dem geringen Gesamtanteil von Frauenfiguren in der Commedia ausdrückt (elf Prozent) – und dem geringen Anteil wiederum hiervon, die selbst in dem Gedicht auch zu Wort kommen (sechs Personen). Aber andererseits spricht eine davon, Beatrice, im letzten Drittel des Purgatorio und des Paradiso unentwegt, ausführlich und mit großer Autorität. Was diese kulturelle Überhöhung zu bedeuten hat, will der Vortrag anhand ausgewählter Strophen des Werks selbst, aber auch von Bildmaterialien und Geschichtsdokumenten erkunden.