start: 19:00 hrs
end: 20:30 hrs
location: Instituto Cervantes, Alfons-Goppel-Straße 7, 80539 München
Vortrag mit Lichtbildern
Referentin: Dr. Dorothée Siegelin
Ob Botticellis „Primavera“, Giorgiones „Tempesta” oder Piero della Francescas “Geißelung Christi”, in der Renaissance entstand eine ganze Reihe von Bildern, die sehr bekannt sind und uns vertraut erscheinen. Oft können sie jedoch bis heute nicht eindeutig gedeutet werden und Kunsthistoriker schlagen eine Vielzahl unterschiedlicher, teils kontroverser Interpretationen dieser Werke vor. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass sie in einer Zeit gemalt wurden, als das Medium „Tafelbild“ noch nicht besonders alt war. Im Laufe des 15. Jahrhunderts findet eine geradezu explosionsartige Entwicklung statt: Innerhalb kürzester Zeit wird von Malern eine Fülle neuer Formen, aber auch Inhalte und Themen entwickelt. Künstler wollten nicht mehr ausschließlich als Handwerker verstanden werden, sie begriffen ihre Tätigkeit auch als eine selbständige geistige und kreative Arbeit. Dementsprechend sollten sie gebildet und belesen sein und statteten ihre Bilder mit einer Flut literarischer, philosophischer, historischer, kunsthistorischer und politischer Anspielungen und Verweise aus. Sie legten „Fährten“ aus für ein interessiertes und ebenso wie sie gebildetes Kunstpublikum, das es in dieser Form zuvor nicht gegeben hatte. Es entstanden Bilder, die wahrscheinlich bewusst von Anfang an nicht auf Eindeutigkeit hin ausgelegt waren – eben Bilderrätsel!