start: 19:00 hrs
end: 20:30 hrs
location: Instituto „Cervantes“, Alfons-Goppel-Str. 7
Vortrag mit Lichtbildern
Referentin: Dr. Dorothee Siegelin
Seit dem Mittelalter entstanden in vielen Teilen Europas Bruderschaften als geistliche und karitative Kooperationen. Diese, in Venedig „Scuole“ genannten Bruderschaften, spielten eine zentrale Rolle im sozialen und gesellschaftlichen Leben der Stadt. Sie verteilten Almosen, errichteten Krankenhäuser und stellten Mitgiften für die Töchter ärmerer Brüder bereit. Daneben errichteten sie große Miethäuser und verwalteten Immobilien. Bei der alljährlichen Frohnleichnams-prozession traten sie repräsentativ und als geschlossene Gruppe auf. Ihre größte Bedeutung erreichten sie in der Renaissance.
Als Ausdruck ihres gesteigerten Ansehens gaben sie seit dem 15. Jahrhundert große Gemäldezyklen bei den bekanntesten venezianischen Künstlern in Auftrag, die sich aus heutiger Sicht wie ein Spiegelbild Venedigs der damaliegen Zeit lesen lassen. Ebenso ließen sie prachtvolle Bauten errichten, die als Zunftgebäude dienten und teilweise auch karitative Einrichtungen beherbergten.
Die Scuola di San Rocco war eine der bedeutendsten Venedigs. Sie ließ sich im 16. Jahrhundert ein palastartiges, neues Bruderschaftshaus in der Nähe der Frari Kirche errichten, ausgeschmückt mit 56 Gemälden Tintorettos, die die Wunder des Heiligen Rochus, ihres Schutzpatrons, mit damals vollständig neuartigen künstlerischen Mitteln darstellen.