start: 19:00 hrs
end: 20:30 hrs
location: Instituto Cervantes - Alfons-Goppel-Strasse 7 - 80539 München
Vortrag
Referent: Prof. Dr. Johannes Nollé
1950 hat der hochgebildete Bundespräsident Theodor Heuß bei der Einweihung eines Gymnasiums gesagt: «Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muss sie als Einheit sehen.» Obwohl der Kapitolhügel der kleinste Hügel Roms ist, wurde er nicht nur zum religiösen Zentrum Roms und seines Weltreiches, sondern auch zum wirtschaftlichen und gewissermaßen auch militärischen Mittelpunkt der Stadt am Tiber: Auf dem Kapitol stand der Tempel des Iupiter Capitolins, befand sich beim Heiligtum der Iuno Moneta die römische Münze, wurden die Entlassungsurkunden römischer Soldaten zum Aushang gebracht. Schließlich war das Kapitol mit dem Tarpeischen Felsen auch ein wichtiger Gerichtsort der Stadt. Mit der Christianisierung Roms wurde auf dem Kapitol die legendenumrankte Basilika Santa Maria in Aracoeli errichtet. Im Mittelalter war der Kapitolshügel Verwaltungssitz der zivilen Stadtregierung Roms; noch heute residiert der römische Bürgermeister dort, flankiert von bedeutenden Museen und Aug’ in Aug’ mit dem Kaiser Marc Aurel. Michelangelo gab dem Platz auf dem Hügel sein heutiges Aussehen. Die Bekanntheit des römischen Kapitols war der Grund dafür, dass überall in der Welt bedeutende politische Gebäude als Kapitol bezeichnet wurden. Das wichtigste von ihnen steht in Washington und gewann kürzlich durch die Respektlosigkeit eines abgewählten und nur spärlich gebildeten amerikanischen Präsidenten vor der demokratischen Verfassung der Vereinigten Staaten besondere Aufmerksamkeit.