start: 19:00 hrs
end: 20:30 hrs
location: Instituto „Cervantes“, Alfons-Goppel-Str. 7
Vortrag
Referent: Prof. Thomas Gropper
Schon bald nach der Begründung der Gattung Oper um 1600 übernahmen Kastratensänger die Hauptpartien in der italienischen Barockoper. Mit der Ausbreitung des neuen Musiktheaters über Italien und Europa wurden immer mehr vielversprechende Knabenstimmen entdeckt, ausgebildet und häufig unter furchtbaren medizinischen und hygienischen Umständen operiert, um die Mutation auszuschalten, das heißt die knabenhafte Stimme ins Erwachsenenalter zu retten. Die, die nicht physisch oder psychisch zu großen Schäden kamen, wurden die Superstars ihrer Zeit, Monteverdi, Händel, Hasse, auch Mozart schrieben für sie, das Publikum lag ihnen zu Füßen, Kastraten wie Farinelli oder Caffarelli kamen zu hohen gesellschaftlichen und politischen Ehren. Erst mit der Erschütterung des Absolutismus in der Französischen Revolution und der nachfolgenden Epoche der Aufklärung sank der Stern der Kastraten. In kirchlichen Kapellen und Chören hielten sich Kastraten indes bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein.